Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation der Eberhard-Ossig-Stiftung und des Instituts Kirche und Judentum

Anmeldung erbeten mit Name, Anschrift, Telefon-Nr
an mail@ikj-berlin.de. Auf Grund der Pflicht zur Dokumentation werden Ihre Personendaten für 4 Wochen auf Basis der geltenden Datenschutzbestimmungen aufbewahrt. Bitte beachten Sie die geltende 3G-Regel: Voraussetzung für Ihre Teilnahme ist ein vollständige Impfung, eine Genesung oder ein aktueller Corona-Test. Es gilt Maskenpflicht. Am Platz darf diese abgenommen werden.

4. November 2021 | 19.00 Uhr

Benjamin Kuntz | Stefan Hayn
Lucie Adelsberger und Ursula Bohn: Geschichte einer Freundschaft

Dr. Benjamin Kuntz, geb. 1985, ist Gesundheitswissenschaftler und Medizinhistoriker. Er arbeitet am Robert Koch-Institut und leitet die Geschäftsstelle des Projekts „GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er hat mehrere Biographien über jüdische Ärztinnen und Ärzte aus Berlin verfasst, die u.a. in der Reihe „Jüdische Miniaturen“ des Verlags Hentrich & Hentrich erschienen sind.

Stefan Hayn, geb. 1965, ist Maler und Filmemacher. Er studierte bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin und absolvierte seinen Meisterschülerabschluss in der Klasse von Rebecca Horn. Von 1995 bis 1998 studierte er Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seit 1985 veröffentlicht er Zeichnungen und Malerei, seit 1989 Filme. Seit 1995 werden auch Essays und Vorträge von ihm publiziert. Von 2012 bis 2014 war Stefan Hayn Stipendiat an der Graduiertenschule der Universität der Künste Berlin.

 

Der Abend ist der Geschichte einer besonderen Freundschaft zweier Frauen gewidmet: Lucie Adelsberger (1895-1971) und Ursula Bohn (1907-2001). Kennengelernt haben sich die beiden in Berlin Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre. Die aus Nürnberg stammende Medizinerin Lucie Adelsberger betrieb zu diesem Zeitpunkt eine eigene Praxis und hatte sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert. Ursula Bohn, die später im Fach Philosophie promovierte, war eine ihrer Patientinnen. Aus einer gewöhnlichen Arzt-Patienten-Beziehung entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Freundschaft, die jedoch nach 1933 auf die Probe gestellt wurde: denn Lucie Adelsberger war Jüdin, Ursula Bohn Protestantin. In seinem reich bebilderten Vortrag schildert Dr. Benjamin Kuntz den Lebensweg der emanzipierten und talentierten Ärztin und Wissenschaftlerin Lucie Adelsberger, die 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Sie überlebte die Hölle der Lagerhaft und legte nach dem Krieg schriftlich Zeugnis über diese Zeit ab. Auszüge aus den Auschwitz-Erinnerungen von Lucie Adelsberger werden im Rahmen der Veranstaltung vorgelesen. Ursula Bohn hatte alles versucht, um ihre Freundin vor der Deportation zu retten. Ein reicher Briefwechsel belegt, dass die beiden Frauen auch dann weiter in engem Kontakt standen, als Lucie Adelsberger nach dem Krieg in die USA auswanderte. Ursula Bohn, die jahrzehntelang im 1960 gegründeten Institut Kirche und Judentum tätig war, hatte zunächst als Lektorin in dem nach Kriegsende von evangelischen Theologen gegründeten Lettner-Verlag gearbeitet. Durch ihren Einsatz war es überhaupt möglich, dass die Erinnerungen Lucie Adelsbergers 1956 in eben jenem Verlag unter dem Titel „Auschwitz. Ein Tatsachenbericht“ das erste Mal in Buchform erschienen. Der im Anschluss an den Vortrag gezeigte 45-minütige Dokumentarfilm „Am Israel Chai – Bericht von Dr. Ursula Bohn“ von Stefan Hayn basiert auf einem Interview, das der damals 30-jährige Filmemacher mit der damals 88-jährigen Ursula Bohn in ihrer Wohnung geführt hat und in dem sie ausführlich über ihre Freundschaft zu Lucie Adelsberger berichtet. Am Ende der Veranstaltung stehen Benjamin Kuntz und Stefan Hayn gerne für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.